Verwandter oder Profi: Lohnt sich ein Fotograf für die orthodoxe Taufe?
Euripidis Kitsos, Stand
Kurz gesagt
Ein professioneller Fotograf lohnt sich für eine orthodoxe Taufe, wenn Ihr die Zeremonie als vollständige Reportage festhalten wollt. Die entscheidenden Momente dauern oft nur Sekunden und lassen sich nicht wiederholen. Ein Verwandter reicht, wenn Euch ein paar Schnappschüsse und Gruppenfotos genügen, er seine eigene Kamera sicher bedient und die Aufgabe gern übernimmt.
Bei der Taufe meiner Tochter habe ich meine Kamera meinem Bruder in die Hand gedrückt. Mein Gedanke: Eine gute Kamera wird die Bilder schon machen. Sie hat es nicht. Mein Bruder kannte die Kamera nicht, viele Bilder waren unscharf und nicht zu gebrauchen.
Dieses Muster höre ich immer wieder: Jemand in der Familie leiht sich eine Spiegelreflexkamera, gibt sie dem Onkel, und alle hoffen, dass die Technik es richtet. Das scheitert, sobald niemand die Kamera wirklich kennt. Nicht weil der Onkel etwas falsch macht, sondern weil eine gute Kamera die Vertrautheit mit ihr nicht ersetzt.
In diesem Ratgeber erkläre ich, was eine orthodoxe Taufe fotografisch schwierig macht, wann ein Verwandter trotzdem reicht und woran Ihr einen passenden Fotografen erkennt. Ich begleite seit 2012 Taufen, inzwischen über 100.
Warum eine orthodoxe Taufe schwer zu fotografieren ist
Bei einer orthodoxen Taufe kann man nicht in Ruhe auf das richtige Bild warten. Drei Dinge machen sie fotografisch anspruchsvoll.
Die wichtigsten Momente dauern Sekunden
Wer die Zeremonie nicht genau kennt, reagiert auf das Geschehen. Und wer reagiert, ist zu spät. Am deutlichsten wird das direkt nach dem Taufbecken: Das Kind wird herausgehoben, kurz darauf folgen die Salbung mit dem kleinen Pinsel und das Schneiden der Haare. Meist schreit das Kind in diesem Moment, und der Priester beeilt sich. Wer erst dann überlegt, wo er stehen sollte, hat diese Bilder verpasst.
Wer weiß, was als Nächstes kommt, steht schon richtig, bevor es passiert. Wie die Zeremonie im Einzelnen abläuft, erkläre ich auf der Seite zum Ablauf der griechisch-orthodoxen Taufe.
Ein Blitz löst das Lichtproblem nicht
Kirchenräume sind häufig groß und schwach beleuchtet. Ein Blitz wirkt nur auf kurze Distanz, seine Kraft nimmt mit der Entfernung stark ab. Das Ergebnis: Die Personen vorn sind hell, der Raum dahinter versinkt im Dunkeln. Gute Bilder entstehen erst, wenn ISO, Blende und Verschlusszeit zum Raum passen. Dazu muss man wissen, was die eigene Kamera ohne Blitz noch sauber schafft.
Es gibt auch Kirchen, in denen Blitzen nicht erlaubt ist. Das ist selten, ich kenne eine. Wer dort nur mit Blitz umgehen kann, riskiert einen Totalausfall.
Jede Gemeinde hat eigene Regeln
Der Priester bestimmt, was in seiner Kirche erlaubt ist, zum Beispiel ob man die Stufen zum Altar oder die Erhöhung überhaupt betreten darf und wo man stehen kann. Diese Regeln unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde. Wer sie nicht kennt, steht dem Priester im Weg oder übertritt eine Grenze, ohne es zu merken.
Was ein Verwandter nicht leisten kann
Auch wer schon bei vielen Taufen dabei war, hat sie meist als Gast erlebt: aus einigen Metern Abstand und mit dem Blick auf das Kind. Dabei entgehen einem die Details, die später fehlen.
Die Details, an die niemand denkt
Am Altar steht und liegt vieles, das zur Taufe gehört: das Taufkreuz, das heilige Öl für die Salbung, die Kleidung des Kindes. Wer nicht weiß, welche dieser Dinge eine Rolle spielen, fotografiert sie nicht. Nahaufnahmen davon entstehen nur, wenn jemand vorher daran denkt.
Das Album entsteht beim Fotografieren
Wer das Album schon im Kopf hat, während er fotografiert, weiß, welche Elemente unbedingt eingefangen werden müssen. Wer einfach fotografiert und hinterher versucht, daraus ein Album oder eine Reportage zu bauen, merkt zu spät, was fehlt. Warum das Album für mich im Mittelpunkt steht, zeige ich auf der Seite zum Taufalbum.
Kein Ersatz, wenn etwas schiefgeht
Fällt beim Verwandten die Kamera aus, gibt es meist keine zweite. Und anders als ein Fotograf ist er selbst Gast: Er gehört zur Familie und steht trotzdem die ganze Zeit hinter der Kamera.
Wann ein Verwandter reicht
Nicht jede Familie braucht einen Profi. Ein Verwandter kann die Taufe fotografieren, wenn drei Dinge zusammenkommen.
Ihr wollt keine Reportage. Euch genügen ein paar Schnappschüsse aus der Zeremonie und Gruppenfotos mit den Gästen. Den gesamten Ablauf in Bildern festzuhalten, ist Euch nicht wichtig.
Er kennt seine Kamera. Am besten fotografiert er mit seiner eigenen und nicht mit einer geliehenen. Und er weiß, was sie ohne Blitz in einem dunklen Raum leistet.
Er macht es gern. Fotografieren sollte für ihn keine Pflicht sein, die man ihm aufbürdet und die ihm keinen Spaß macht.
Fehlt eines davon, lohnt sich ein Blick auf den Mittelweg.
Der Mittelweg: Profi in der Kirche, Familie auf der Feier
Viele Familien entscheiden sich für einen Mittelweg: Der Fotograf begleitet die Zeremonie in der Kirche, die Feier danach fotografiert die Familie selbst. Ob das passt, hängt davon ab, was auf der Feier passiert. Deshalb frage ich Familien immer zuerst: Was ist auf der Feier geplant?
Ihr geht gemeinsam essen, mehr ist nicht geplant. Dann braucht Ihr auf der Feier keine fotografische Begleitung. Für die Bilder dort gilt, was oben für Verwandte steht.
Es gibt ein Programm. Ein Candy-Tisch, eigene Dekoration, ein Geschenketisch, vielleicht wird getanzt. Dann hat die Feier einen eigenen Stellenwert, und es lohnt sich, sie festzuhalten.
Ob dafür eine zusätzliche Stunde nach der Kirche genügt, lässt sich vorab klären. Damit sie reicht, hilft eine einfache Planung: Legt die wichtigsten Programmpunkte der Feier an den Anfang, solange der Fotograf noch da ist.
Woran Ihr einen Fotografen für die orthodoxe Taufe erkennt
Bei einer orthodoxen Taufe macht Erfahrung den Unterschied. Diese Punkte helfen Euch, sie zu prüfen.
Lasst Euch eine komplette Taufe zeigen. Ein Portfolio zeigt die besten Bilder aus vielen Aufträgen. Eine vollständige Galerie zeigt, ob jemand eine ganze Zeremonie zuverlässig festhält, auch die schnellen Momente und die Details.
Achtet auf Wissen über die Zeremonie. Erklärt der Fotograf auf seiner Website, was bei einer orthodoxen Taufe passiert? Daran seht Ihr, ob er sich mit dem Ablauf beschäftigt hat.
Fragt, wie viele orthodoxe Taufen er begleitet hat. Wer eine Zeremonie viele Male fotografiert hat, weiß, was als Nächstes kommt, und steht rechtzeitig am richtigen Platz.
Fragt nach Eurer Kirche. Diese Fragen stellen Eltern im Erstgespräch selten, dabei sagen die Antworten viel:
- Hat er in Eurer Kirche schon fotografiert?
- Kennt er den Priester?
- Kennt er die Abläufe dieser Gemeinde?
Kennt er die Kirche noch nicht, sollte er vorab mit dem Priester klären, was erlaubt ist und was nicht. Fragt ruhig, ob er das tut.
Häufige Fragen
Darf man bei einer orthodoxen Taufe in der Kirche fotografieren?
Ja, nach meiner Erfahrung in jeder Kirche. Der Priester legt aber fest, wie. Er bestimmt zum Beispiel, ob man die Stufen zum Altar betreten oder blitzen darf. Ein Fotograf, der Eure Kirche nicht kennt, sollte das vorab mit dem Priester klären.
Kann ein Verwandter mit einer geliehenen Spiegelreflexkamera die Taufe fotografieren?
Nur, wenn er mit genau dieser Kamera vertraut ist. Eine gute Kamera ersetzt nicht die Erfahrung mit ihr. Wer sie nicht sicher bedient, bekommt in der Kirche schnell unscharfe oder zu dunkle Bilder.
Reicht ein Blitz in einer dunklen Kirche?
Nein, ein Blitz leuchtet nur die Personen in der Nähe aus, nicht den ganzen Kirchenraum. Der Hintergrund wird dunkel. Gute Bilder entstehen erst mit den passenden Einstellungen für ISO, Blende und Verschlusszeit. In wenigen Kirchen ist Blitzen zudem nicht erlaubt.
Braucht man den Fotografen auch auf der Tauffeier?
Nur, wenn auf der Feier mehr passiert als ein gemeinsames Essen. Gibt es einen Candy-Tisch, Dekoration, einen Geschenketisch oder Tanz, lohnt sich eine Begleitung. Legt diese Programmpunkte dann an den Anfang der Feier.
Was sollte man einen Tauffotografen im Erstgespräch fragen?
Fragt nach seiner Erfahrung mit orthodoxen Taufen und mit Eurer Kirche. Lasst Euch eine komplette Taufe zeigen und fragt, ob er den Priester und die Abläufe der Gemeinde kennt.