Meine Arbeitsweise
Meine Arbeitsweise bei Taufen
Ich fotografiere Taufen als Reportage: nah am Geschehen und mit dem Anspruch, die Taufe so authentisch festzuhalten, wie sie wirklich passiert.
Mein Schwerpunkt liegt auf orthodoxen Taufen, insbesondere auf griechisch-orthodoxen. Darüber hinaus habe ich auch serbisch-orthodoxe, rumänisch-orthodoxe und mazedonisch-orthodoxe sowie katholische und evangelische Taufen begleitet.
Gerade orthodoxe Taufen sind fotografisch besonders intensiv. Für mich sind sie fast wie eine kleine Hochzeit: Es gibt eine Vorbereitung, viele kleine Details, eine umfangreiche Zeremonie, Familie, Emotionen und oft einen Empfang danach. Nur alles in wesentlich kürzerer Zeit.
Deshalb geht es mir nicht darum, einzelne Pflichtbilder abzuhaken.
Ich möchte die Geschichte der Taufe vollständig erzählen.
01 / Vorbereiten
Vorbereiten heißt für mich: verstehen, was wichtig ist
Meine Vorbereitung beginnt vor dem Tag der Taufe.
Ich frage die Familie, welche Menschen, Situationen und Details für sie eine besondere Bedeutung haben.
Vielleicht ist eine Großmutter aus Griechenland zu Besuch, die nur selten die ganze Familie sieht. Vielleicht soll ein Mehrgenerationenfoto entstehen. Vielleicht gibt es eine besondere Dekoration oder persönliche Details, die unbedingt festgehalten werden sollen.
Auch Dinge außerhalb der Zeremonie gehören dazu.
Wenn nach der Kirche beispielsweise ein Candy Table oder Empfang geplant ist, möchte ich das vorher wissen. Gerade solche Dinge werden manchmal erst kurz vor dem Eintreffen der Gäste vollständig aufgebaut. Dann muss ich im richtigen Moment dort sein, bevor sich die Situation wieder verändert.
Aus diesen Informationen entsteht meine persönliche To-do-Liste für genau diese Taufe.
Auch der Ort gehört zur Vorbereitung
Bei einer Kirche, die ich noch nicht kenne, plane ich zusätzliche Zeit vor Beginn ein.
Ich fotografiere sie von außen und schaue mir den Innenraum an, sobald er zugänglich ist.
Dabei möchte ich verstehen:
Wie ist das Licht?
Wo findet die eigentliche Taufe statt?
Wie kann ich mich während der Zeremonie bewegen?
Welche Perspektiven sind möglich?
Und wo könnte ich später stehen müssen, wenn ein entscheidender Moment passiert?
Ich versuche also, den Raum zu verstehen, bevor ich ihn während der Zeremonie brauche.
Manchmal habe ich dafür viel Zeit. Manchmal wird eine Kirche erst kurz vor Beginn geöffnet.
Dann muss dieselbe Vorbereitung eben schneller passieren.
Vor Beginn spreche ich mit dem Priester
Wenn ich einen Priester noch nicht kenne, stelle ich mich vor und frage, was ihm während der Zeremonie wichtig ist.
Wo darf ich mich bewegen?
Gibt es Bereiche, die frei bleiben sollen?
Gibt es Besonderheiten im Ablauf?
Darf beispielsweise geblitzt werden oder nicht?
Die Antworten können von Priester zu Priester sehr unterschiedlich sein.
Darauf stelle ich mich ein.
Die Zeremonie hat immer Vorrang vor der Fotografie.
02 / Beobachten
Während der Zeremonie beobachte ich
Während der eigentlichen Taufe inszeniere ich nichts.
Ich unterbreche keinen Ablauf und bitte niemanden, einen Moment für ein Foto zu wiederholen.
Wenn ein Kind weint, gehört auch das zur Geschichte dieser Taufe.
Wenn Geschwister oder andere Kinder neugierig rund um das Taufbecken stehen und hineinschauen, kann genau daraus ein starkes Bild entstehen.
Wenn Eltern oder Paten angespannt sind, gehört auch das zu diesem Moment.
Ich arbeite mit dem, was tatsächlich passiert.
Das ist für mich der Kern einer Taufreportage.
Bei anderen Teilen des Tages ist meine Rolle bewusst eine andere.
Vor der Taufe arrangiere ich beispielsweise Detailaufnahmen. Ich nehme Schuhe, Kreuz oder andere Dinge kurz aus der Dekoration heraus, fotografiere sie und stelle danach alles wieder so zurück, wie es vorgesehen war.
Auch bei Familien- und Gruppenbildern übernehme ich Führung. Ich positioniere Menschen, ordne Gruppen und gebe klare Anweisungen, wenn es dem Bild hilft.
Die Zeremonie dokumentiere ich.
Bei geplanten Bildern führe ich.
03 / Voraussehen
Erfahrung bedeutet, einen Moment voraus zu sein
Besonders bei orthodoxen Taufen passieren viele wichtige Dinge innerhalb weniger Sekunden.
Genau dort hilft mir Ritualkenntnis.
Ich muss nicht erst herausfinden, was gerade passiert. Ich kann bereits an den nächsten Moment denken.
Wann wird die Schere für die Tonsur genommen, also das Abschneiden einer kleinen Haarsträhne?
Wann folgt die Salbung mit Myron?
Wann wird Öl in das Taufbecken gegossen?
Wann verändert sich die Situation so schnell, dass ich meine Position wechseln muss?
Das sind kleine Zeitfenster.
Wenn der Moment vorbei ist, kommt er nicht noch einmal.
Das Weihrauchfass ist dafür mein Lieblingsbeispiel
Das Weihrauchfass hängt an einer Kette und ist fast ständig in Bewegung.
Nur für einen kurzen Moment hängt es ruhig.
Genau diesen Augenblick zu erwischen, ist inzwischen fast ein kleines Hobby von mir.
Ähnlich geht es mir mit dem Öl, wenn es für einen Sekundenbruchteil noch in der Luft ist, bevor es ins Taufwasser fällt.
Oder mit der Schere bei der Tonsur.
Oder dem feinen Pinsel bei der Salbung.
Solche Bilder entstehen nicht, weil jemand sie für mich wiederholt.
Sie entstehen, weil ich weiß, dass der Moment kommen kann und darauf vorbereitet bin.
Mehr über Ablauf und Rituale einer griechisch-orthodoxen Taufe
04 / Nähe
Nähe zeigen, ohne die Zeremonie zu dominieren
Ich möchte Bilder, die sich nah und unmittelbar anfühlen, ohne dafür ständig direkt vor der Familie oder dem Priester stehen zu müssen.
Deshalb arbeite ich mit zwei Kameras und unterschiedlichen Perspektiven.
Manchmal bleibe ich bewusst etwas weiter entfernt.
Bei anderen Momenten gehe ich für wenige Sekunden näher heran und ziehe mich anschließend wieder zurück.
Gerade bei ruhigen Gebeten versuche ich außerdem, so leise wie möglich zu fotografieren.
Die Familie soll die Taufe erleben können. Nicht den Fotografen.
Wenn zusätzlich ein Videograf dabei ist
Dann sprechen wir uns möglichst vor Beginn kurz ab.
Beide müssen während der Zeremonie arbeiten und ihre Position wechseln können, ohne sich ständig gegenseitig im Bild zu stehen.
Wenn eine Perspektive gerade besetzt ist, finde ich eine andere.
Und wenn ein Positionswechsel sinnvoll wäre, genügt meistens ein kurzer Blick oder ein Signal.
Es gibt selten nur einen einzigen Platz, von dem ein gutes Bild möglich ist.
05 / Anpassen
Keine zwei Taufen laufen gleich
Ein Priester arbeitet deutlich schneller als erwartet.
Die Kirche ist sehr dunkel.
Rund um das Taufbecken stehen viele Gäste.
Ein Videograf befindet sich an einer Position, die ich eigentlich nutzen wollte.
Oder das Kind bewegt sich so stark, dass mehrere Ritualschritte plötzlich noch schneller ablaufen.
Dann muss ich mich anpassen.
Wenn der Priester schneller wird, werde ich ebenfalls schneller.
Wenn eine Perspektive nicht funktioniert, suche ich eine andere.
Wenn die Kirche dunkel ist, arbeite ich mit dem vorhandenen Licht und meiner Technik so, dass trotzdem eine vollständige Reportage entstehen kann.
Und wenn Kinder oder Gäste Teil der Situation werden, versuche ich nicht automatisch, sie aus dem Bild zu entfernen.
Manchmal machen genau diese Menschen das Bild erst interessant.
Entscheidend ist für mich, ruhig zu bleiben, die Situation zu lesen und weiter vorauszudenken.
06 / Unterschiedliche Taufen
Erfahrung mit unterschiedlichen Taufen
Meine größte und tiefste Routine habe ich bei griechisch-orthodoxen Taufen.
Darüber hinaus habe ich auch serbisch-orthodoxe, rumänisch-orthodoxe und mazedonisch-orthodoxe Taufen begleitet.
Viele Elemente und der sakramentale Kern sind zwischen orthodoxen Traditionen ähnlich. Trotzdem können sich Reihenfolge, Sprache, lokale Bräuche und die konkrete Arbeitsweise eines Priesters unterscheiden.
Bei einem Ablauf, den ich noch nicht kenne, informiere ich mich deshalb vorab und kläre Besonderheiten mit Familie und Priester.
Auch katholische und evangelische Taufen habe ich bereits fotografiert.
Sie haben einen anderen Ablauf als orthodoxe Taufen. Meine fotografische Grundhaltung bleibt aber dieselbe:
vorbereiten,
aufmerksam beobachten,
wichtige Menschen im Blick behalten
und aus den einzelnen Momenten eine zusammenhängende Geschichte machen.
07 / Die ganze Geschichte
Eine Geschichte statt einer Sammlung einzelner Bilder
Natürlich sind die großen Momente der Zeremonie wichtig.
Aber eine Taufe besteht für mich nicht nur aus Taufbecken, Priester und Familienfoto.
Zur Geschichte gehören auch die Dinge davor und dazwischen.
Die vorbereiteten Schuhe.
Das Kreuz.
Das Ankommen der Familie.
Ein Blick zwischen Eltern und Paten.
Neugierige Kinder.
Die ruhigen Sekunden zwischen zwei Ritualen.
Die Erleichterung nach der Zeremonie.
Und vielleicht der Empfang draußen vor der Kirche.
Mein Ziel ist, dass die Bilder später nicht nur zeigen, was passiert ist, sondern vermitteln, wie sich dieser Tag angefühlt hat.
Genau daraus entsteht für mich eine vollständige Taufreportage.
Das Album ist später die konsequente Fortsetzung dieses Gedankens.